Locken Chinchilla

Locken Chinchilla

© Daniela Klein

Locken Chinchilla - Chinchillas mit lockiger Felleigenschaft

Locken-Chinchilla Fotoalbum auf Facebook

Über gelockte oder gewellte Chinchilla Fellvarianten hatte ich seit Beginn meines Interesses für Chinchillazucht immer wieder etwas gehört. Im Jahr 2004 ist das erste Lockenchinchilla bei mir per Zufall in der eigenen Zucht gefallen. Die Eltern waren ein Violett Weibchen aus einer Mutationszucht in Holland und ein Ebony Bock aus eigene Nachzucht, der auch das Violett-Gen trug. Bei beiden war nichts über Locken in den Linien bekannt. So kam "Noodles" damals als Ebony Violett Locke auf die Welt. Sein Bauch war gelockt und sein gesamter Rücken war komplett gewellt. Seinen Eltern sah man die Lockenträgereigenschaft nicht an. Mit Noodles züchtete ich dann ausschließlich Trägertiere. So kam es dann auch, dass ich mich intensiver mit dieser Mutation beschäftigte.

Genetik

Bei der Lockenausprägung handelt es sich um eine rezessive Mutation. Verpaart man Locken mit nicht-Locken, so entstehen Lockenträgertiere, die entweder überhaupt keine Anzeichen von Wellen oder Locken aufweisen, oder schon leichte Wirbel am Körper aufweisen können. Dies habe ich besonders dann beobachten können, wenn im nicht-gelocktem Partnertier bisher schon Ebony in der Linie vorhanden ist ODER die verwendeten Partnertiere eine andere Felleigenschaft aufweisen: die Wirbel. Eine Besonderheit hat das echte Locken-Gen: es vererbt sich ausschließlich gekoppelt mit Ebony-Eigenschaften.

Entstehung

Immer wieder taucht in alter Literatur das Thema Locken oder auch Wirbel auf. Zuchten, die sich für den Fellmarkt spezialisiert haben, berichten von gelockten oder gewellten Chinchillas oder Chinchillas, die Wirbel im Fell hatten. Da diese Felle allerdings nicht gefragt waren, wurden diese Tiere nicht weiter zur Zucht verwendet.
Ob es sich dabei aber auch immer wirklich um DIE Locken gehandelt hat, ist bis heute nicht eindeutig. Zum einen, durch die genetische Basis - es vererbt sich rezessiv gekoppelt an Ebony-Eigenschaften. Tiere mit Ebony-Eigenschaften wurden in der Zucht für den Fellmarkt jedoch nicht verwendet und es ist fraglich, ob diese trotzdem in diversen Linien vorhanden gewesen wären.
Zum anderen, da Bilder existieren, die solche Felle zeigen und ich auch ein Kleidungsstück aus solchen Fellen sah: Es handelte sich um normale Standardfelle, die jedoch durch und durch mit Wirbeln versehen waren. Sie haben meines Erachtens mit den heutigen Locken nichts gemein und wurden auch nicht über Trägertiere gezogen, sondern vererbten sich in direkter Verpaarung mit nicht-Locken und nicht-Trägern weiter. So gesehen als dominante Eigenschaft. Natürlich nicht überall und bei jedem Fall. Möglich ist es jedoch, dass es sich bei vielen Tieren daher eher um Wirbel im Fell handelte und weniger um die tatsächliche Ebony-Locken Eigenschaft, wie sie hier gemeint ist.

Nur wenige Züchter interessierten sich überhaupt für Lockentiere. So ist es bis heute geblieben. Locken-Chinchilla zu mögen ist und bleibt Geschmackssache. Daher gibt es auch nur wenige Züchter und Halter, die diese Tiere ihr eigen nennen. Noch weniger Züchter haben sich tatsächlich darauf spezialisiert und besitzen mehr als eine Hand voll Locken-Chinchillas, was vielleicht auch mit der viel verbreiteten Fehlinformation über Gesundheit, Lebenserwartung und Felleigenschaften diese Tiere zusammenhängt.

Es gibt unterschiedliche Namen für diese Fellmutation: Rex, Rexfell, Locken, Curl, Curly, Rex-Curl, usw. Nach einer öffentlichen Internet-Diskussion in Amerika vor vielen Jahren hat man sich dort auf den Namen geeinigt, den Deutschlands seinerzeit größte und bekannteste Züchterin dieser Tiere (R. Schmidt) den Tieren gab: Locken-Chinchilla.


Fellausprägung und sonstige Eigenschaften

Bei den Locken gibt es viele Unterschiede in der Ausprägung. Nicht zuletzt ist dies wohl der Tatsache anzulasten, dass man oft Chinchillas mit Wirbel in die Lockenlinien gezogen hat, in der Hoffnung, dass es sich hierbei um die gleiche genetische Eigenschaft handelt. Dem ist leider nicht so. Auch deshalb kommt es vor, dass es unterschiedliche Ausprägungen gibt und in der Vererbung leichte Unterschiede auftauchen. Auch die Felldichte der verwendeten Partnertiere für die Trägerzucht und die der Träger beeinflusst die Ausprägung häufig: Je dichter das Fell, umso schwieriger können sich die Locken bei den Nachkommen entfalten. Oftmals sieht das Fell dann besonders am Rücken nur noch gewellt aus.

So kommt es beispielsweise zu folgenden Ausprägungen:

1. Voll gelockt

Komplett gelockt mit kleinen in sich gekräuselten Locken am ganzen Körper - Extrem ausgeprägt, vergleichbar mit dem Haar von farbigen afrikanischen Ureinwohnern. Daher nenne ich diese persönlich „Afro-Look“ Locken, um den Unterschied hervor zu heben. Dies ist aber KEINE anerkannte Bezeichnung.

Komplett gelockt mit großen Locken am ganzen Körper - Extrem ausgeprägt, jedoch sind die Locken deutlich größer und weniger gekräuselt.

2. Halb gelockt

Bauch gelockt - Rücken gewellt oder mit Wirbel versehen oder ganz glatt.

Bauch gewellt - Rücken gewellt oder mit Wirbel oder ganz glatt.

3. Keine Locken

Gar keine Merkmale oder nur Wirbel bei Träger-Tieren.
Gar keine Merkmale kommt bei mir in der Trägerzucht öfters vor. Die Nachkommen haben keinerlei Veränderung im Haar nachweisbar. Auch aus Extrem Locke x halb Locke habe ich solche Nachkommen. Hier habe ich die Partnertiere aus Wirbelfreien Linien eingesetzt. Partnertiere mit Wirbel (ohne Lockenträgereigenschaft) hatten dabei auch Nachkommen mit deutlich stärker ausgeprägten Wirbeln bekommen.

Interessant ist auch, dass man diese Locken-Eigenschaften bereits bei der Geburt unterschiedlich ausgeprägt erkennen kann. So haben bereits die Jungtiere entsprechend extreme, normale, wenig oder keine Ausprägung. Bei den extremeren sind im Jungtieralter auch die Tasthaare gekräuselt.
Bisher verringert sich dies mit dem Alter und verschwindet später ganz. Während der Entwicklung können die Locken auch phasenweise weniger oder mehr werden. Öfters beobachtet habe ich allerdings, dass bei einigen Linien die Wellen und großen Locken, die bei der Geburt noch vorhanden waren, mit dem Alter immer weniger wurden oder sogar ganz verschwanden. Dies habe ich jedoch bisher nicht bei den extrem kleinen Locken erlebt.
Ausgeprägte Wirbel bleiben jedoch immer (wie bei normal-Fellausprägung auch).

Meine Lockenchinchillas haben im Erwachsenenalter keine gekräuselten Tasthaare. Das Haar an sich ist weniger fein, als beim normalen Fell. Es fühlt sich drahtiger an.
Bei der Fellpflege ist zu beachten, dass es filzen kann. Dies habe ich recht selten. Abhilfe schafft hier das Zupfen der betroffenen Stellen und ggf. kämmen mit einem groben Fell-Entwirrer mit rotierenden Zinken oder einem Entfilzerkamm für Katzen.
Das Fell im Gesicht ist wie bei normalfelligen Chinchillas kürzer. Die Haare an den Augen biegen sich nicht nach innen. Weder haben Locken-Chinchillas in die Augen stechende Haare, noch durch Haare verursacht tränende Augen - siehe auch die Fotos im Album:

Locken-Chinchilla Fotoalbum auf Facebook

Bei manchen Verpaarungen fallen immer wieder Babys, die gelockt oder gewellt sind, und deren Unterzonen-Haarfarbe silber-weiß ist und die Spitzen schwarz sind. Leider verschwindet diese Farbgebung bis zum Erwachsenenalter wieder. Was es damit auf sich hat und warum es nur in bestimmten Linien auftaucht, ist noch offen.

Häufig anzutreffen sind auch weiße Stichelhaare im Fell erwachsener Tiere. Bei einigen bis zur intensiven Kalifornisch rezessiv Weiß Ausprägung (siehe auch CRW – rezessiv Weiß). Gesicht und Schwanz sowie auch der Rücken sind mit weißen Haaren durchzogen - siehe auch Rezessiv Weiß.

Bei mir in der Zucht sind bisher folgende Farben gelockt (extrem bis gewellt) gefallen oder vorhanden:
Ebony, Braun/Beige Ebony, Violett Ebony, Ebony-Weiß (Schecke), Beige Weiß (Apricot), Ebony CRW. Bei allen handelt es sich bei den Eltern um Lockenträger oder Locken. Locke x Locke habe ich bisher nur selten verpaart - wenn dann voll ausgeprägte Lockentiere mit Tieren mit halb ausgeprägter Eigenschaft.
Des Weiteren gibt es auch Träger und Locken in Deutsch Violett und Saphir in anderen Zuchten. Auch die Kombination aus Locken und Angora-Chinchilla gibt es bereits, diese wurden erstmalig in Belgien gezüchtet.

Curlygora auf Facebook

Durch die Verpaarung mit weitestgehend Ebony-Variationen muss man bei der Zucht besonders darauf achten, möglichst klare Tiere einzusetzen, damit der Rotstich in der Zucht verringert wird - siehe auch Tierqualität.

Lebenserwartung, Robustheit, Zuchteigenschaft, Charakter

Wie so oft hängt die Lebenserwartung von der Veranlagung, der Zuchtauslese und den Rahmenbedingungen (z.B. Haltung, Ernährung, …) ab.
Haben die Tiere gute Anlagen und wurden über robuste, gesunde und kräftige Tiere gezüchtet, so haben sie eine gute Basis mitbekommen, um ein gutes Alter zu erreichen. Zuchtauslese spielt dabei auch eine große Rolle, denn die natürliche Auslese kranker oder schwacher Tiere, wie sie in der Natur auf normalem Wege geschieht, gib es in der behüteten Zucht nicht. Daher ist der Züchter gefragt, nur die stärksten und kräftigsten Tiere zur Zucht heranzuziehen und entsprechend auch solche Tiere für die Zucht von Trägern einzusetzen. Dies gilt für alle Tierarten gleichermaßen.

Oft waren in der Vergangenheit die Lockentiere kleiner und auch empfindlicher bei Erkrankungen. Auch Herzfehler konnten vereinzelt nachgewiesen werden. Diese Eigenschaften wurden durch Verwandtenzucht in manchen Zuchten dann leider auch nicht verbessert. Das Auskreuzen mit gesunden Linien, eine gute Selektion und entsprechend umfangreiche Suche nach blutsfremden Tieren ermöglicht eine deutliche Verbesserung.
Gewichte bis 900 g sind auch bei den Locken sowie Lockenträgern angekommen, auch wenn sie durch die Felleigenschaft und in dunklen Farben deutlich kleiner wirken. Locken-Weibchen sind mittlerweile auch groß, kräftig und haben oftmals große Würfe. 1er und 2er Würfe sind hier die Seltenheit. Die Geburtsgewichte sind allerdings im Durchschnitt ca. 10 g geringer als bei anderen Chinchillas.
Die Jungtiersterblichkeit ist vergleichbar mit Nicht-Locken.
Das Wachstum der Tiere mit Locken ist deutlich langsamer, als das der Trägergeschwister. Erst ab einem Alter von ca. 2 Jahren kann man bei den Lockentieren das Endgewicht erkennen. Besonders Böcke brauchen sehr lange, Weibchen sind meist schon jünger >600g schwer.

Bei der Zucht kommt es nicht unbedingt auf die Intensität der Locken bei den Zuchttieren an -wichtiger ist - sind da bereits in der Linie schon intensiv gelockte Tiere gefallen bzw. in den Vorfahren!
Auch aus 2 Trägern oder wenig gelockten/gewellten Tieren besteht so die Chance auf die extrem gelockten Nachkommen.
Einige Züchter ziehen da schon über lange Zeit mit gewellten oder halb gelockten Tieren und wundern sich, dass bisher auch wieder nur gewellte oder halb gelockte herauskommen. Das kann vielleicht auch hier daran liegen, dass in den Vorfahren keine voll gelockten Tiere vorhanden sind und/oder viel mit Tieren mit Wirbel stattdessen gearbeitet wurde. Hier kann man versuchen, durch die Verpaarung mit einem voll gelocktem Tier diese Eigenschaft wieder hervor zu bringen.

Eine Besonderheit habe ich in der Zucht festgestellt, ob das nun Zufall ist, weiß ich noch nicht: Es werden deutlich mehr Böcke geboren als Weibchen (4:1).
Fruchtbare Tiere haben auch sehr fruchtbare Nachkommen – wie bei den Nicht-Locken auch. Jedoch habe ich bei der Suche und dem Einsatz bei Weibchen aus komplett neuen Linien sehr oft das Problem, dass diese Trägerweibchen keine Jungen bekommen. Dies auch nicht mit unterschiedlichen Partnern, die wiederum mit anderen Weibchen wunderbaren Nachwuchs zeugen. Das macht die Zucht sehr sehr schwierig und langwierig.

WICHTIG ist, die weiblichen Jungtiere möglichst früh von den Eltern zu trennen. Die kleinen Jungweibchen werden zwar selten - aber möglich - schon im Alter von 9-10 Wochen Geschlechtsreif und könnten dann vom Vater gedeckt werden. Dies ist unbedingt zu vermeiden!

Meine Locken- und Lockenträgertiere stammen von unterschiedlichen Zuchten in unterschiedlichen Ländern ab: Niederlande + England, Österreich, Portugal, Belgien und Russland. Die meisten Tiere in meiner Zucht stammen von R. Schmidt – Ihre Locken-Linien werden schon seit über 10 Jahren weltweit verkauft oder getauscht. In vielen Stammbäumen findet man daher - wenn auch viele Generationen zurück - ihre Tiere bzw. ihren Namen.

Meine ältesten Locken-Tiere sind aus 2009 und 2010, bekommen heute noch normal gesunden Nachwuchs und regeln ihre Wurfpausen wie meine Nicht-Locken auch. Trägertiere habe ich auch ältere noch aus der Abstammung von „Noodles“.

Vom Charakter her sind meine Locken- und Trägertiere alle sehr entspannt und ausgeglichen. So kann ich ohne Probleme bis zu 8 Jungböckchen zusammen im Zuchtraum als Kindergartengruppe halten.
Vergesellschaftungen laufen unkompliziert du sehr harmonisch.
Auch in Zuchtgruppen funktioniert es bisher mit 2 Weibchen und einem Bock sehr gut, was bei nichtverwandten Tieren kein Regelfall ist. Die Weibchen ziehen die Jungen gemeinsam auf, es gibt keine Eifersüchteleien.

Erwerb der Tiere

Mit Glück findet man den einen oder anderen Züchter, der Locken in seiner Zucht hat. Wichtig ist, sich bei Trägertieren die Eltern anzusehen:
Handelt es sich wirklich um Locken oder gar doch nur um Tiere mit Wirbeln?
Liegt es vielleicht auch nur am fehlenden Sandbad, dass die Tiere wellig aussehen?
Sind ausreichend Informationen in den Stammdaten vorhanden?
Auch sollte man darauf achten, die Tiere nicht gleich nach der Geburt zu reservieren, denn bisher sind auch nur die extrem gelockten bis zum Jungtieralter und Erwachsenenalter so extrem gelockt geblieben. Viele gewellten oder grob gelockten Tiere haben ihre Locken zwischendurch weniger und bekommen sie entweder zurück -> oder eben auch nicht!
Preislich kann man unterschiedliche Summen ausgeben. Abstammung, intensität, Linie und Vererbungseigenschaften werden hier auch nicht immer berücksichtigt.
So sind Träger ohne Merkmale schon ab 150 Euro zu bekommen - ebenso wie manch „unechtes“ Locken-/Wellentier. Man kann aber auch durchaus Glück haben!
Fakt ist:
Bei den sicheren Trägern hängt bei guten Züchtern der Preis von der Farbe, der Qualität und der Abstammung ab. Regulär beginnt dieser bei 200 Euro mit Stammdaten und Information über die bisherige Vererbung der Eigenschaften.
Halb gelockte- / gewellte Tiere bekommt man mit diesen Informationen ab 300 Euro. Voll gelockte normale Lockentiere ab 500 Euro, voll gelockte „Afro-Look“-Lockentiere ab 800 Euro. Dies aber auch abhängig der Linien und der Farbe der Tiere.


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